Polizei geht von Netzwerk aus


Nach dem Selbstmordanschlag von Manchester hat Großbritannien erstmals seit 2007 die Terror-Warnstufe angehoben. Weitere drei Männer wurden festgenommen.

Die Polizei geht inzwischen eindeutig von einer Unterstützergruppe rund um den Attentäter von Manchester aus. Das sagte der Polizeichef von Manchester, Ian Hopkins, am Mittwoch. Bei der Terrorattacke ist auch eine Polizistin ums Leben gekommen. Die Frau sei privat beim Konzert gewesen. Insgesamt hatte der Attentäter 22 Menschen in den Tod gerissen.

Nach dem Selbstmordanschlag von Manchester sind in Großbritannien drei weitere Männer festgenommen worden. Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass der Selbstmordattentäter möglicherweise Helfer hatte, meldete der britische Rundfunksender Channel 4 am Mittwoch

Auch diese Festnahmen seien in einem südlichen Viertel der Stadt erfolgt, wo bereits am Vortag ein junger Mann festgenommen worden war, teilte die Polizei am Mittwoch mit.
Die Beamten hätten bei den Einsätzen Haftbefehle “im Rahmen der Ermittlungen zu dem schrecklichen Anschlag von Montagabend” vollstreckt, teilte die Polizei mit. Damit waren insgesamt vier Verdächtige in Gewahrsam. Welche Rolle sie bei der Bluttat gespielt haben könnten, blieb zunächst offen.
Bei dem Anschlag des mutmaßlichen Selbstmordattentäters Salman Abedi vor der Manchester Arena wurden am Montag 22 Menschen getötet und 59 weitere verletzt. Die Behörden vermuten eine gemeinschaftlich geplante Tat: Die Ausführung des Anschlags sei “anspruchsvoller gewesen als einige der Anschläge, die wir davor erlebt haben”, hatte Innenministerin Amber Rudd gesagt. Dies deute darauf hin, dass Abedi “wahrscheinlich nicht alleine gehandelt” habe.

Manchester-Attentäter hatte möglicherweise Helfer

Der Selbstmordattentäter von Manchester hatte möglicherweise Unterstützung. Die britische Innenministerin Amber Rudd nannte es am Mittwoch wahrscheinlich, dass der 22-jährige Salman Abedi nicht alleine gehandelt habe. Die Polizei in Manchester nahm drei weitere Männer fest. Insgesamt sind vier Männer in Gewahrsam

Großbritannien hat erstmals seit 2007 die Terror-Warnstufe angehoben.

Dies bedeute, dass ein weiterer Anschlag unmittelbar bevorstehen könne. Die Bedrohungslage werde auf Basis der Ermittlungen nun als kritisch eingestuft, sagte Premierministerin Theresa May am Dienstagabend in einer Fernsehansprache nach einer Sitzung des Sicherheitsrats. Unterdessen wurde öffentlich, dass der Selbstmordattentäter den britischen Sicherheitsbehörden bereits vor der Tat bekannt war.

Zudem soll die Armee die Polizei im Inland entlasten, Soldaten sollen zusätzlich zu Polizisten etwa bei Großveranstaltungen für Sicherheit sorgen. Die Polizei habe die Unterstützung durch die Streitkräfte beantragt, sagte May. Man dürfte nicht ignorieren, dass womöglich eine größere Gruppe von Einzelpersonen in den Anschlag vom Montagabend verwickelt sei. Der Chef der Anti-Terror-Polizei, Mark Rowley, sagte, die Entscheidung, die Warnstufe zu erhöhen, sei eine Vorsichtsmaßnahme. Er hoffe, dieses Niveau werde wie in der Vergangenheit nicht für eine längere Zeit beibehalten. Polizisten in Großbritannien tragen nicht immer Waffen bei sich. Die Londoner Polizei hat aber angekündigt, etwa beim Fußball-Pokalfinale und einem Rugbyspiel am Wochenende zusätzliche bewaffnete Beamte abzustellen.

22-Jähriger soll für Anschlag verantwortlich sein

Die Polizei geht davon aus, dass ein in Großbritannien geborener 22-Jähriger für den Anschlag verantwortlich ist, bei dem 22 Menschen getötet wurden, darunter auch Kinder. Der Attentäter ist einem Bericht der “Times” zufolge erst kürzlich aus Libyen wieder nach Großbritannien zurückgekehrt. Er soll nach US-Angaben vor dem Anschlag mit dem Zug von London nach Manchester gereist sein. Seine Eltern seien 1994 aus Libyen nach London ausgewandert. Seit mindestens zehn Jahren lebten sie im Süden Manchesters. Am Dienstag nahm die Polizei einen 23-Jährigen fest, bei dem es sich Medienberichten zufolge um den Bruder des Hauptverdächtigen handelt.

Der sogenannte “Islamischer Staat” (IS) reklamierte das schwerste Attentat in Großbritannien seit zwölf Jahren für sich. Ungereimtheiten in den Angaben der Extremisten-Miliz ließen jedoch Zweifel aufkommen, ob sie wirklich verantwortlich ist. In der Vergangenheit haben sich einige IS-Bekenntnisse als falsch erwiesen.

© REUTERS/Stefan Wermuth

Im Zentrum Manchesters gedachten am Abend Tausende Menschen der Opfer. “Es sind schwere Zeiten auf den Straßen unserer Stadt, aber wir werden uns nicht unterkriegen lassen und wir wollen euer Mitleid nicht, weil dies der Ort ist, an dem wir stark zusammenzustehen, mit einem Lächeln im Gesicht”, sagte der örtliche Dichter Tony Walsh vor der Menge.

© Video: AFP

Örtliche Polizei mahnt zu erhöhter Wachsamkeit

Die örtliche Polizei hat die Bürger zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Verdächtige Beobachtungen sollten sofort gemeldet werden, erklärte Polizeichef Ian Pilling am Mittwochmorgen via Twitter. Im Großraum Manchester sei die Polizeipräsenz erhöht, und dies werde vorerst so bleiben. Die Erhöhung der Terrorwarnstufe in ganz Großbritannien auf das höchste Niveau helfe auch der Polizei in Manchester bei ihren “schnell voranschreitenden Ermittlungen”, sagte er demnach. “Die Bürger haben eine ungeheure Stärke und Widerstandskraft unter Beweis gestellt – darauf sind wir auch in den nächsten, schwierigen Tagen angewiesen.”

Der Chef der nationalen Anti-Terror-Polizei, Mark Rowley, erklärte: “Die Ermittlungen in Manchester sind groß angelegt und gehen zügig und gut voran.” Er verwies dabei auf die Festnahme eines Verdächtigen sowie mehrere Razzien am Dienstag. Dennoch könne die Polizei noch nicht ausschließen, dass eine größere Gruppe an der Bluttat beteiligt sei.

Die Erhöhung der Terrorwarnstufe bedeutet, dass die Sicherheitsbehörden ein unmittelbar bevorstehendes Attentat für möglich halten. Militär soll die Polizei bei Wachaufgaben entlasten und so mehr Polizeistreifen ermöglichen. Auch bei Großereignissen wie Konzerten oder Sportveranstaltungen könnten Soldaten die Polizei unterstützen.

Attentäter war Behörden bekannt

Der Selbstmordattentäter von Manchester war den britischen Sicherheitsbehörden bereits vor der Tat bekannt. “Er ist jemand, den sie gekannt haben”, sagte Innenministerin Amber Rudd am Mittwoch dem Radiosender BBC. Der 22-jährige Salman Abedi habe bei dem Attentat auf Konzertbesucher am Montagabend “wahrscheinlich nicht alleine gehandelt”, fügte sie hinzu.

Die Ausführung des Anschlags sei “anspruchsvoller gewesen als einige der Anschläge, die wir davor erlebt haben”, sagte Rudd. Dies deute darauf hin, dass Abedi “wahrscheinlich nicht alleine gehandelt” habe. “Ich bin sicher, dass wir bei Abschluss dieser Ermittlungen mehr herausfinden werden.”

Noch 20 Verletzte in kritischem Zustand

Nach dem Terroranschlag in Manchester sind 20 Verletzte weiterhin in einem kritischen Zustand. Insgesamt hätten die Rettungskräfte 64 Verletzte behandelt, sagte Jon Rouse, der Chef der örtlichen Gesundheitsbehörden, dem Sender Sky News am Mittwoch. Die Ärzte behandelten unter anderem schwere Verletzungen an Armen und Beinen.

»Die Bombe hatte wohl auch Nägel«

“Das sind schwer traumatisierende Verletzungen”, sagte Rouse, einige Opfer würden sehr lange brauchen, bis sie wieder ein einigermaßen normales Leben führen könnten. Einige der Opfer seien in Krankenhäuser näher an ihren Wohnorten verlegt worden. Bei dem Anschlag waren am Montagabend 22 Menschen getötet worden.

Die Bombe von Manchester war nach den Worten eines behandelnden Arztes offensichtlich auch mit Nägeln bestückt. “Die Bombe hatte wohl auch Nägel”, sagte der Deutsche Stefan Schumacher, der als Neurologe in Manchester arbeitet, am Mittwoch dem Südwestrundfunk (SWR). Dies habe sich bei der Behandlung der Terroropfer gezeigt: “Da waren auch etliche Verletzungen mit Nägeln an verschiedenen Körperteilen.” Sein Hospital sei spezialisiert auf Schädel-Hirn-Verletzungen, “und das sind dann natürlich auch etliche”.

London verärgert über Erkenntnisweitergabe

Die britische Innenministerin Amber Rudd hat sich wegen der Weitergabe interner Erkenntnisse zum Manchester-Attentat bei den zuständigen Stellen in den USA beschwert. Die Ministerin bezeichnete es am Mittwoch in der BBC als “irritierend”, dass Informationen über den Selbstmordattentäter Salman Abedi in US-Medien auftauchten, ehe sie in Großbritannien zur Veröffentlichung freigegeben wurden.

“Ich habe unseren Freunden gegenüber sehr klar gemacht, dass so etwas nicht mehr passieren darf”, sagte Rudd. Der Name des Attentäters war am Dienstag zuerst in US-Medien aufgetaucht. Diese stützten ihre Angaben auf eine vertrauliche Unterrichtung, die britische Stellen ihren US-Kollegen in London gegeben hätten. “Die britische Polizei hat sehr deutlich gemacht, dass sie selbst den Informationsfluss kontrollieren will, um die Ermittlungen zu schützen”, sagte die Ministerin dazu.

Auf die Frage, ob US-Vertreter durch die offenkundige Weitergabe der Informationen die britischen Ermittlungen kompromittiert hätten, entgegnete Rudd: “So weit würde ich nicht gehen.” Nach ihrem Gespräch mit den US-Stellen könne sie nun aber sagen, “dass ihnen die Situation absolut klar ist und dass so etwas nicht mehr passieren sollte”.

Der Umgang der neuen US-Regierung mit Geheimdienstinformationen befreundete Staaten hatte bereits kürzlich für Aufsehen gesorgt. Medienberichten zufolge soll Präsident Donald Trump vertrauliche Geheimdienstinformationen über die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) an den russischen Außenminister Sergej Lawrow weitergegeben haben. Diese streng vertraulichen Informationen stammten offenbar aus Israel.

Der Austausch streng geheimer Erkenntnisse ist zwischen befreundeten westlichen Staaten wie Großbritannien und den USA üblich. Die Gepflogenheiten der Zusammenarbeit sehen allerdings vor, über diese Erkenntnisse absolutes Stillschweigen zu bewahren und diese nicht weiterzugeben ohne dass der Partnerdienst seine Zustimmung erteilt hat.


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