Preiserhöhung wirkt gegen Tabakkonsum


Erhöht man den Preis für Tabak um fünf Prozent, sinkt der Konsum um rund 3,5 Prozent. Das hat eine Analyse der MedUni-Wien ergeben, die anlässlich des heutigen Weltnichtrauchertags publik gemacht wurde. Tabakkonsum ist die größte Einzelursache für Erkrankungen und vorzeitige Todesfälle in Europa, ein Rauchstopp bringt schon nach wenigen Tagen positive Effekte.

Regelmäßige Preiserhöhungen würden “alle Parteien zufriedenstellen”, sagte der Sozialmediziner Michael Kunze: “Uns Mediziner, weil viele mit dem Rauchen aufhören würden, aber gleichzeitig auch die Trafikanten und das Finanzministerium, da die Einnahmen bzw. Steuern noch immer ein ordentliches Plus abwerfen.”

Vor 30 Jahren hatte Kunze in einer Studie zur Preispolitik bei Tabakkonsum festgestellt, dass Preiserhöhungen von einem Prozent, den Konsum um 0,5 Prozent senken. Unter seiner Leitung hat nun der Diplomand Richard Felsinger eine Analyse der Preispolitik für die Jahre 1997 bis 2015 durchgeführt. Demnach sinkt der Konsum bei einer Verteuerung von Tabak um ein Prozent heute sogar um 0,69 Prozent. Eine regelmäßige Erhöhung um ein Prozent wäre nicht so drastisch, dass der Zigarettenschmuggel angekurbelt werden würde.

News.at-Umfrage: Mehrheit raucht nicht (mehr)

Eine neulich von News.at auf Facebook durchgeführte Umfrage zum Thema Rauchen stimmt optimistisch: Die Mehrheit der 183 Teilnehmer (Stand: 29.05.2017) raucht demnach gar nicht bzw. gar nicht mehr (83). Für 53 Teilnehmer wäre eine Verteurung der Zigaretten allerdings auch kein Grund aufzuhören. Lediglich 33 Personen gaben an, dass die Verteuerung von Zigaretten den Konsum infrage stellt.

Rauchen verursacht rund 90 Prozent der Todesfälle bei Lungenkrebs, dasselbe gilt für 75 Prozent der Todesfälle im Rahmen von chronischer Bronchitis und anderen Atemwegserkrankungen. Zudem ist Zigarettenrauchen an der Entstehung von Bauchspeichel-, Nieren- oder Gebärmutterhalskrebs beteiligt, erinnerte die MedUni in einer Aussendung. Aufhören zahle sich aus: “Schon wenige Tage nach der letzten Zigarette sinkt das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung rapide. Rauchen ist ja praktisch eine Kohlenmonoxid-Vergiftung, wer aufhört, stoppt diese Vergiftung”, betonte Kunze. Das Krebsrisiko allerdings bleibt jahrelang weiterhin erhöht.

Lungenärzte fordern Maßnahmen

Ein Bündel an Maßnahmen hat am Montag die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai gefordert. Dieses sollten von der verbesserten Kontrolle des Lobbyings der Tabakindustrie bis hin zum Verbot von Zigarettenautomaten und jeglicher Außenwerbung für Tabakprodukte reichen.

“Das Rahmenübereinkommen zur Tabakkontrolle der WHO wurde von Österreich 2005 zwar unterzeichnet, wir liegen aber dennoch seit Jahren bei der Umsetzung im europaweiten Vergleich an unrühmlicher letzter Stelle”, kritisierte ÖGP-Präsident Meinhard Kneussl (Wilhelminenspital). Zurzeit würden hierzulande im Durchschnitt 27 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen täglich rauchen, deutlich mehr als im EU-Schnitt. Bei den Jugendlichen im Alter von zwölf und 18 Jahren sind es “erschreckende 29 Prozent der Mädchen und 25 Prozent der Burschen”.

Der “traurige Effekt” lässt sich klar in Zahlen bemessen, berichteten die Lungenärzte: An direkten und indirekten Raucherschäden sterben in Österreich laut einer Schätzung des Gesundheitsministeriums jährlich an die 14.000 Personen. “Neben den durch Zigarettenrauch hervorgerufenen Folgen sind auch die erwartbaren Schäden aus dem zunehmend ansteigendem Konsum von Wasserpfeifen, E-Zigaretten und verwandten Produkten alarmierend”, sagte Kurt Aigner (Ordensklinikum Linz Elisabethinen), Vorsitzender der Initiative Ärzte gegen Raucherschäden.

Rauchen verursache nicht nur menschliches Leid, sondern koste den Österreichern konservativ berechnet jedes Jahr 750 Millionen Euro, so Aigner. Das geforderte Maßnahmenpakt sollte u.a. die Einstellung staatlicher Förderungen für Medien bei Verstoß gegen das Tabak-Werbeverbot, die Erhöhung der Tabaksteuer um fünf Cent pro Packung – zweckgewidmet für Tabakprävention (drei Cent), Rauchertherapie und Schmuggelbekämpfung (je ein Cent) -, sowie ein Rauchverbot in Privatautos beim Mitführen Minderjähriger und auf Kinderspielplätzen beinhalten.


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